Die Lösung eines Problemfeldes wie dem Erhalt oder der Verbesserung der medizinischen Versorgung trägt immer auch zur Lösung anderer Problematiken wie der demographischen Entwicklung bei. Wenn wir selbst dazu beitragen, dass die Versorgung sich verschlechtert, z. B. indem wir zulassen, dass Geburtenabteilungen schließen, müssen wir uns nicht wundern, wenn neben jungen Familien auch Nachwuchs-Land- oder Fachärzte nur schwer zu motivieren sind, in den Kreis zu ziehen.

Wie aus einem Artikel der Nahe-Zeitung vom 26.01.2017 zu erfahren ist, geht es dem Kreis Birkenfeld im Hinblick auf die medizinische Versorgung noch nicht schlecht genug, um als Region am Strukturfonds der Kassenärztlichen Vereinigung teilnehmen zu können. Das bedeutet, Ärzte, die sich im Kreis Birkenfeld niederlassen wollen, erhalten demnach keine Förderung aus diesem Topf. Es gibt im Kreis „nur“ 53% Nachbesetzungsbedarf bei Hausärzten bis 2022.  Der Amtsinhaber meint im genannten Artikel: „…ist es lange nicht so schlecht um den Kreis Birkenfeld bestellt, wie es immer betont wird“. Mit dieser Einstellung und dem gleichzeitigen Verzicht auf die Erarbeitung und Umsetzung von Lösungen kommt es nach meiner Einschätzung für den Kreis Birkenfeld langfristig sehr wohl zu einem erheblichen Problem! Nach einschlägigen Erfahrungen können voraussichtlich nur 25 – 35% der in den Ruhestand gehenden freiberuflichen Ärzte einen ebenfalls freiberuflichen Nachfolger finden. Dem Rest der Praxen droht die Schließung. Da dürfen wir nicht zuschauen, sondern müssen schleunigst handeln!

Ein Teil der Problemlösung verbirgt sich in den Bedingungen fürs Studium. Ich zitiere aus dem Landtagswahlprogramm 2016 der Freien Wähler, an dem ich seinerzeit mitgewirkt hatte: Um den sich abzeichnenden Ärztemangel, insbesondere in ländlichen Regionen, entgegen zu wirken, müssen wir engagierte junge Menschen für den Arztberuf interessieren. Es muss gelingen, die Bewerberauswahl derart durchzuführen, dass gerade diejenigen einen Studienplatz erhalten, die sich auch tatsächlich später als Arzt niederlassen möchten und nicht in die Forschung oder zur Pharmaindustrie gehen wollen. Das bedeutet, dass Kriterien wie eine abgeschlossene Berufsausbildung, beispielsweise als Krankenschwester oder Rettungssanitäter, stärker ins Gewicht fallen müssen. Wenn die Anzahl der Studienabsolventen steigt, die auch tatsächlich Arzt werden wollen, nimmt auch die Chance zu, dass sie sich im ländlichen Raum niederlassen. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, muss aber auch über den Ausbau finanzieller Anreize für die Niederlassung von Ärzten auf dem Land nachgedacht werden.

Wenn wir über den Tellerrand schauen, finden wir darüber hinaus bereits gute Ansätze zur Schaffung von starken Anreizen. Die nachfolgenden Beispiele funktionieren oder entstehen bereits in anderen Regionen.

  • Gewährung von Stipendien, mit der Verpflichtung nach der Approbation im Kreis hausärztlich tätig zu sein oder die Weiterbildung zum Facharzt im Kreis zu absolvieren um die medizinische Versorgung zu sichern.
  • Im Eifelkreis Bitburg-Prüm kämpft der freie Landrat Dr. Joachim Streit mit zahlreichen Mitstreitern für die Zulassung der Medicus eG, einer Ärzte-Genossenschaft, die damit den drohenden Hausärztemangel in den Griff bekommen wollen. Durch die völlig neue Versorgungsstruktur können Ärzte, die nicht das Risiko einer eigenen Praxis eingehen wollen, in verschiedenen Arbeitszeitmodellen Vollzeit oder Teilzeit angestellt werden. Durch das Genossenschaftsmodell haben sie zusätzlich die Option, Anteile zu erwerben und von den Gewinnen zu partizipieren. Entgegen einer eigenen Praxis, ist zudem der Rücken frei für die Patientenversorgung, da alles Organisatorische von der Genossenschaft übernommen wird. Für Nachwuchs-Ärzte ist dieses Konzept attraktiv, da sie kein unternehmerisches Risiko mit einer Praxisgründung auf sich nehmen müssen, flexible Arbeitszeiten, auch Teilzeit-Arbeit vereinbaren können und sich jederzeit mit Anteilskäufen Mitspracherecht und Gewinnbeteiligung sichern können. Als Landrat mache ich mich für die Ärzte-Genossenschaft stark.

Es gibt noch weitere Lösungswege, beispielsweise mobile Praxen oder Telemedizin, die wir für unseren Landkreis diskutieren und bedarfsorientiert auf den Weg bringen werden.