Ein großes, bisher wenig genutztes Potential sehe ich im Bereich des Naturtourismus. Das Wandern ist bei uns bereits ein großes Thema, im Bereich Radtourismus ist Einiges in Bewegung. Was noch angegangen werden sollte, ist das Thema Natur als Entspannungsraum. Entschleunigung, quasi „Wellness“ in der Natur, ist etwas, das für Menschen gerade aus den Ballungsräumen immer interessanter wird. Wir haben das Glück, in einer herrlichen Umgebung zu leben – waldreich, ruhig und mit viel Platz. Gerade für Menschen aus Ballungsräumen ist dies nicht selbstverständlich. Hier liegt einer unserer Schätze, den wir, gerade mit dem Nationalpark als Imageträger für solche Themen, besser herausstellen sollten als bisher. Auch das Thema Edelsteine darf ruhig noch stärker in Wert gesetzt werden, als bereits geschehen. Zusammen mit unseren drei Besucherbergwerken und den Funden aus Bundenbach stellen sie ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im Bereich Geologie und Erdgeschichte sowie zur Industriegeschichte dar. Welche Region hat schon etwas Vergleichbares zu bieten?

Weiteres Augenmerk sollten wir dringend auf die touristische Vermarktung unserer kulinarischen Genüsse legen. Früher war beispielsweise der Hunsrücker Spießbraten ein touristisches Highlight. Das ist noch so in meiner Kindheits-Erinnerung. Über offenem Feuer im Restaurant zubereitet, war das damals ein Alleinstellungsmerkmal. Auch wenn es das heute noch gibt, spricht kaum mehr Jemand darüber. Die heimische Küche steht für Hausmannskost wie Kartoffelwurst, Schaales, gefüllte Klöße, Kartoffelwaffeln, und weitere Besonderheiten mit teils von Ort zu Ort unterschiedlichsten Rezepturen. In Teilen der Region wird über Buchenholzfeuer geschwenkt. Im benachbarten Saarland ist das zwar ähnlich, aber im gesamten Rest von Deutschland und Europa sind diese Gerichte weitestgehend unbekannt. Essen und Trinken ist Lebensgefühl, weckt Emotionen und ist Motivation für zahlreiche Reisende, eine Region zu besuchen. Gemeinsam mit unseren Gastronomiebetrieben will ich eine kulinarische Identität für unseren Kreis aufbauen und im Rest von Deutschland und gezielt in europäischen Nachbarländern vermarkten.

Besonders wichtig ist, dass wir in der künftigen touristischen Arbeit einen stärkeren Fokus auf die Gastgeber richten. Sie sind das Herzstück der touristischen Zukunft unserer Region. Gäste wollen gut schlafen, gut essen und trinken – an jedem Wochentag, auch montags nachmittags.

Wir müssen die gastgebenden Betriebe bei allen Fragen, Betriebserweiterungen, Nachfolgeregelungen, etc. unterstützen, bürokratische Hürden so weit als möglich abbauen und konsequent auf Qualität zu setzen. Die gastgebenden Betriebe sind entscheidend, wenn es darum geht, ob sich Gäste bei uns wohlfühlen, die Region weiterempfehlen und wiederkommen. Eine gut funktionierende, gesunde Hotellerie und Gastronomie trägt deutlich zur Lebensqualität in allen Gemeinden bei. Auch daher ist es mir so wichtig, hier zu stützen, zu fordern und zu fördern.

Organisatorisch halte ich es für wichtig, dass wir uns gemeinsam mit unseren Nachbarn in Thalfang, Morbach, Hermeskeil, aber auch im angrenzenden Saarland, als eine Einheit „Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald“ finden und so auch intensiv zusammen arbeiten. Die Tourist-Informationen im Kreis sollten hierzu noch enger als bisher zusammenarbeiten, möglicherweise alle in einer großen kreisweiten oder sogar nationalparkregionsweiten Tourist-Information. Damit hätten wir eine schlagkräftige Truppe, könnten Personal und Finanzen besser bündeln und gezielter einsetzen als bisher und gemeinsam unsere Region nach vorn bringen.

Die „Nahe“ als Urlaubsregion ist relativ unbekannt. Und wenn jemand die Region kennt, assoziiert er mit ihr oft zunächst den Nahewein – was für den Kreis Bad Kreuznach ja auch gut und richtig ist. Für uns aber nicht. Wir sind Wald, Edelsteine, Geologie. Viele unserer Bürger fühlen sich eher „dem Hunsrück“ zugehörig, als „der Nahe“.

Die übergeordnete Einheit sollte aus meiner Sicht den Hunsrück im Namen tragen, alles andere ist dem Gast, der ja auch zum „Nationalpark Hunsrück-Hochwald“ reist und auf den „Traumschleifen Saar-Hunsrück“ und dem „Saar-Hunsrück-Steig“ wandert, schwer zu vermitteln. Das würde den gesamten Hunsrück stärken, denn mit Nationalpark, Hängeseilbrücke Geierlay, Saar-Hunsrück-Steig, der geplanten Bike-Region etc. haben wir gemeinsam richtig viel zu bieten.