Hallo Herr K…,

vielen Dank, dass Sie mir die Gelegenheit geben, zu einem der großen Probleme unserer Gesellschaft Stellung zu nehmen. Ich denke, Sie erwarten von mir zum jetzigen Zeitpunkt noch kein fertiges Konzept. Als Landrat werde ich zunächst in allen Problembereichen die eventuell schon bestehenden oder entstehenden Lösungsansätze betrachten und dann zur Diskussion stellen, welche weiteren Ideen für unseren Landkreis zielführend sind. Wichtig ist, dass wir die für uns richtigen Antworten auf alle Fragen finden, Entscheidungen treffen und die Umsetzung vorantreiben.

Wenn wir das von Ihnen angesprochene Problem betrachten, stellen wir fest, dass es eine dramatische Entwicklung gibt, nicht nur bei den immer weniger werdenden Menschen, die einen Pflegeberuf ergreifen wollen, sondern auch in der Verschiebung der Altersstruktur unserer Bevölkerung. Die Lebenserwartung liegt heute im Schnitt schon bei über 80 Jahren und heutige Neubürger haben eine gute Chance, über 100 Jahre alt zu werden. Die Anzahl der Geburten in Deutschland wird dazu führen, dass wir schon in weniger als 20 Jahren doppelt so viele 60-jährige als 20-jährige haben werden. Ich möchte das Thema daher zusammenhängend mit der alternden Gesellschaft behandeln, weil wir durchaus Synergien bei den Lösungsansätzen finden.

Die Menschen werden immer älter und bleiben länger fit. Daraus ergibt sich auch die Chance, länger arbeiten zu können. Mein Vater beispielsweise wird im September 75 Jahre. Er ist mit 65 Jahren in den Ruhestand gegangen. Seit dieser Zeit engagiert er sich ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen. Für die Kirchengemeinde ist er ein wertvoller Helfer, der immer auf Abruf bereitsteht. Wie meinen Vater gibt es zahlreiche Menschen, die auch über ihren Ruhestand hinaus in der Lage und willens sind, der Wirtschaft als Arbeitskraft zur Verfügung zu stehen, oder für die Allgemeinheit ein Ehrenamt auszuüben. Für die freiwillige Verlängerung der Lebensarbeitszeit über den Ruhestand hinaus müssen attraktive gesetzliche Rahmenbedingungen sowohl für Arbeitnehmer als auch Anreize für Arbeitgeber geschaffen werden. Auch die Förderung des Ehrenamtes muss in die Überlegungen einbezogen werden. Dies ist ein wichtiger Faktor für das Vereinsleben und die Gemeinden. Es bietet sich gleichzeitig eine Chance, über Senioren die wir z. B. als Hilfskräfte für den Pflegebereich gewinnen können, das Problem abzumildern.

Zu modernen und bezahlbaren Wohnformen, wie Senioren-Wohngemeinschaften, Genossenschaften, Mehrgenerationen-Projekte, gibt es in anderen Regionen bereits gute Ansätze, die ich auch für unseren Landkreis als geeignet ansehe. Hier werde ich mit den Verantwortlichen reden und die Bedingungen für Investitionen bei uns abstimmen bzw. die Umsetzung der passenden Konzepte gemeinsam mit den Akteuren in unserem Kreis vorantreiben. Nur ein Beispiel einer Senioren-WG in der VG Brohl-Lützing: 8 Senioren können ohne die hohen Anforderungen eines Altenheimes zu verhältnismäßig geringen Kosten betreut werden. Hierdurch sind auch neue Arbeitsplätze im Pflegebereich zu attraktiven Rahmenbedingungen entstanden. Infos hierüber sind nachzulesen unter http://pflege-wohnen.eu

Wir brauchen das Rad nicht in jedem Problemfeld neu zu erfinden, sondern müssen uns intensiv, gemeinsam mit allen Akteuren im Kreis mit der Gesamtthematik beschäftigen und bedarfsgerecht Lösungen vorantreiben. Darüber hinaus ist die Bundespolitik gefragt, die Rahmenbedingungen für den Pflegeberuf grundlegend zu verändern, damit dieser wieder attraktiv wird.